Mo

6.07.

17.30

In memoriam Monica Bleibtreu
Vier Minuten
D 2006, 112 Min., FSK: ab 12
Regie: Chris Kraus
Buch: Chris Kraus
Kamera: Judith Kaufmann
Musik: Annette Focks
Mit Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung, Sven Pippig, Richy Müller, Jasmin Tabatabai

Vier Minuten

Am 14. Mai starb Monica Bleibtreu im Alter von 65 Jahren. Sie war eine der großen deutschen Theater- und Filmschauspielerinnen, auch wenn sie erst im Alter prominent wurde. Wir zeigen zwei ihrer Filme, zunächst den mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten VIER MINUTEN, für den auch Monica Bleibtreu den deutschen Filmpreis (und weitere Auszeichnungen) erhielt. Der Film ist das Duell zweier großartiger Schauspielerinnen: Monica Bleibtreu agiert als strenge Klavierlehrerin in einem Frauengefängnis, die mit Jenny (Hannah Herzsprung) eine Schülerin erhält, die früher als musikalisches Wunderkind galt, und auch heute noch hochbegabt ist. Die Vorbereitungen auf einen Wettbewerb wird zum Aufeinandertreffen zweier eigenwilliger Charaktere – und der Film entwickelt sich zu einem leidenschaftlichen Meisterwerk über Auflehnung und Hingabe, Schmerz und der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit – und über die ungeheure Kraft der Musik.

DIF

Mo

6.07.

20.00

Fundstücke. Vergessene und übersehene Perlen des Films
Die Brut
Kanada 1979, 88 Min., OV, FSK: ungeprüft
Regie: David Cronenberg
Buch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
Mit Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Henry Beckman

Die Brut

Text von Marcus Stiglegger folgt bald! (Unten stehend ein Zeit-Artikel zum Film)
Es war das Jahr 1979, als David Cronenberg, dem kanadischen Horrorfilmer und Meister virtuoser Deformationen, ein ganz besonderes Grauen von einer Kinoleinwand entgegenschlug. Es erzählte von einer Mutter, die ihren Exgatten im Sorgerechtsstreit um ihren kleinen Jungen moralisch demontiert. Die Hollywood-Schmonzette hieß Kramer gegen Kramer und ließ Amerika und große Teile Europas mit Dustin Hoffman schluchzen. Das Bild des bis auf die Knochen egoistischen, womöglich noch alleinerziehenden Muttertieres – für Traditionalisten eine lästige Ausgeburt der sexuellen Befreiung und des amerikanischen Siebziger-Jahre-Feminismus – hatte den konservativen Mainstream erreicht.

Cronenberg, der in dieser Gründerzeit der Männer- und Vätergruppen selbst eine aufreibende Scheidung hinter sich hatte, wollte seinen dritten Film Die Brut als kleine, gallige Antwort auf Hollywoods Sorgerechtsschnulze verstanden wissen. Tatsächlich lässt sich seine Geschichte der enthemmten Mutter problemlos als selbstironische Phantasmagorie einer male hysteria lesen. Als eine weitere fintenreiche Spielart im Cronenberg-Kosmos aus der Haut fahrender Triebe, platzender Oberflächen und sich selbst überwindender Körper.

Die Brut erzählt von dem Ehepaar Nole und Frank Carveth, das kurz vor der Scheidung steht. Nole hat sich in die Hände von Dr. Raglan begeben und lernt in dessen Institut für »Psychoplasma«, wie sie ihren verdrängten Aggressionen Ausdruck verleihen kann. Nole veräußert ihre negativen Gefühle, indem sie mordende Gnome gebärt, die mit allen Zumutungen in ihrem Leben kurzen Prozess machen. Sie lassen auch die sanftmütige Kindergärtnerin nicht davonkommen, auf die der einsame Frank schon ein Auge geworfen hatte.

Cronenbergs Perspektive ist die der Krankheit, die sich gegen ihre Austreibung wehrt, und die des Chaos, weil es nur der Logik des verbotenen Genusses gehorcht. Deswegen handelt Noles Geschichte nicht vom Leiden, sondern von einer lustvollen Bewaffnung, von Sexploitation und Macht. Und wenn die Patientin ihrem blassen Mann ihre Fruchtblase präsentiert und mit einem Biss ihre neueste Brut freilegt, spricht aus ihrem Blick nicht nur Wahnsinn, sondern auch unbändiger Stolz. Und aus dem ihres Mannes nur noch blanker Gebärneid.

DIF und :Ikonen: - das Kulturmagazin

Di

7.07.

18.00

Filmwunsch
Der Verlorene
D 1951, 98 Min., FSK: ab 16
Regie: Peter Lorre
Buch: Peter Lorre, Benno Vigny, Axel Eggebrecht
Kamera: Vaclav Vich
Musik: Willi Schmidt-Gentner
Mit Peter Lorre, Karl John, Helmut Rudolph, Renate Mannhardt, Lotte Rausch

Der Verlorene

In einem Flüchtlingslager treffen sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwei gute Bekannte. Der eine nennt sich Dr. Neumeister, der andere Nowak. Aber beide Namen sind falsch, früher einmal hießen sie Dr. Rothe und Hösch. Und früher einmal war Dr. Rothe einberühmter Arzt, der an "kriegswichtigen Forschungen" arbeitete. Hösch war nicht nur sein Mitarbeiter, sondern auch sein Überwacher - ein Agent des Sicherheitsdienstes... Das Lexikon des internationalen Films urteilte über die einzige Regiearbeit des großartigen Schauspielers Peter Lorre: "Ein atmosphärisch sehr dicht und quälend eindringlich gestalteter, hervorragend gespielter Film, der in der deutschen Nachkriegsproduktion seinesgleichen sucht und lange Zeit verkannt blieb."

DIF

Di

7.07.

20.00

In memoriam Monica Bleibtreu
Vier Minuten
Siehe 06.07.

Mo

13.07.

18.00

In memoriam Monica Bleibtreu
Abschied – Brechts letzter Sommer
D 2000, 93 Min., FSK: ab 6
Regie: Jan Schütte
Buch: Klaus Pohl
Kamera: Edward Klosinski
Musik: John Cale
Mit Josef Bierbichler, Monica Bleibtreu, Jeanette Hain, Elfriede Irrall, Birgit Minichmayr

Abschied – Brechts letzter Sommer

ABSCHIED. BRECHTS LETZTER SOMMER zeigt Berthold Brecht (gespielt von Josef Bierbichler) in ruhigen, melancholischen Bildern an seinen letzten Lebenstagen in seinem Ferienhaus in Buckow am See zusammen mit den Frauen seines Lebens. Monica Bleibtreu in der Rolle der Helene Weigel ist geradezu sensationell, aber auch die anderen Darsteller begeistern. Es wird diskutiert, geraucht, gegessen, gestritten, geliebt und gehasst – und dennoch ist es ein ruhiger Film, der nachhaltig auf das Publikum einwirkt.
 
DIF

Mo

13.07.

20.00

Stummfilm mit Musik – Mondlandung
Die Frau im Mond
D 1928/29, 155 Min., FSK: ungeprüft
Regie: Fritz Lang
Buch: Thea von Harbou, Fritz Lang nach einem Roman von Thea von Harbou
Kamera: Curt Courant, Otto Kanturek,Oskar Fischinger, Konstantin Tschetwerikoff
Mit Willy Fritsch, Gustav von Wangenheim, Gerda Maurus, Fritz Rasp
Live-Musik von und mit Uwe Oberg (Piano)

Die Frau im Mond
© Horst von Harbou - Deutsche Kinemathek

Anlässlich des 40. Jahrestages der Mondlandung am 20.7. zeigen wir einen von Fritz Langs (METROPOLIS) bekanntesten Stummfilmen. Die Theorie eines Wissenschaftlers, dass auf dem Mond reiche Goldvorkommen lagern, zieht nicht nur seinen Freund, den Erbauer eines Raumschiffes, an, sondern auch den Vertreter eines Konsortiums, das die Goldwirtschaft der Erde kontrolliert. Er erpresst seinen Mitflug. Als sich die Annahme des Wissenschaftlers bewahrheitet, kommt es zu einem dramatischen Konflikt. Der Wirtschaftsvertreter stirbt im Zweikampf, kann zuvor aber das Raumschiff so beschädigen, dass es nicht alle Überlebenden befördern kann. Um seinen Freund und dessen Verlobte zu retten, opfert sich der Ingenieur. Doch die Frau hat erkannt, dass sie sich für den falschen Mann entschieden hat; heimlich bleibt auch sie auf dem Mond zurück. Auch wenn viele utopische Vorstellungen des Films heute naiv erscheinen, verblüfft der Ideenreichtum. Technischer Berater dieses phantastischen Abenteuerfilms war Hermann Oberth, der „Vater der Weltraumfahrt“

DIF

Di

14.07.

17.30

Alfred Hitchcock
Der Auslandskorrespondent
USA 1940, 115 Min., DF, FSK: ab 12
Regie: Alfred Hitchcock
Buch: Charles Bennett, Joan H arrison
Kamera: Rudolph Maté
Musik: Alfred Newman
Mit Robert Benchley, Alexander Granach, George Sanders, Herbert Marshall

Der Auslandskorrespondent

Der New Yorker Sensationsreporter Johnny Jones kommt 1939 kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Europa und stößt bei seiner Recherche, ohne die politischen Konflikte zu begreifen, auf einen deutschen Spionagering, der getarnt als Friedensorganisation einen holländischen Diplomaten entführt hat. Im Kampf um die Anerkennung seiner absurden Geschichte, die Johnny niemand glauben will, verliebt er sich in die Tochter des Chefagenten. Dieser spannende Spionagefilm entstand auf dem Höhepunkt von Alfred Hitchcocks Schaffen.

DIF

Di

14.07.

20.00

In memoriam Monica Bleibtreu
Abschied – Brechts letzter Sommer
Siehe 13.07.