Tagungsband - Die Vergangenheit in der Gegenwart

 
Die Vergangenheit in der Gegenwart
96 Seiten, 65 Abbildungen
DM 35,-- /öS 256,-- /sfr 32,50
ISBN 3 - 88377 - 669 - 6

im Vertrieb der edition text + kritik

Bestellschein

Deutsches Filminstitut - DIF (Hg.)

Die Vergangenheit in der Gegenwart
Konfrontationen mit den Folgen des Holocaust im deutschen Nachkriegsfilm

Gibt es Jüdinnen und Juden im deutschen Gegenwartsfilm nach 1945? Gibt es die direkte Konfrontation mit der Vergangenheit im Hier und Jetzt? Wie thematisieren deutsche Spielfilme die Folgen des Holocaust - tun sie es überhaupt? Die Arbeitsgruppe "Cinematographie des Holocaust" hat diese Fragen auf ihrer Jahrestagung im Dezember 1999 in Frankfurt am Main behandelt. Die Arbeitsgruppe (initiiert vom Fritz Bauer Institut und dem Deutschen Filminstitut - DIF, beide Frankfurt, sowie von CineGraph, dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung) nahm dabei die "Gegenwärtigkeit" wörtlich: Die Vorträge analysierten nicht jene Filme, die den Holocaust als mehr oder minder fernes historisches Phänomen darstellen, sondern jene, in denen die Erinnerung oder Nicht-Erinnerung an Holocaust und Judenverfolgung in eine Beziehung tritt zur zeitgenössischen gesellschaftspolitischen Situation - in der Bundesrepublik, in der DDR und im vereinten Deutschland.

Zehn Tagungsbeiträge verknüpfen Film- und Sozialgeschichte: von der Mauer der Verdrängung in den ersten Nachkriegsjahren (Tim Gallwitz), über die bundesrepublikanische Kontinuität des Verschweigens seit den Fünfzigern (Dieter Bartetzko), den honorigen Versuch aus den sechziger Jahren, den Frankfurter Auschwitz-Prozess zum Spielfilm-Stoff zu machen (Ronny Loewy, Claudia Dillmann), bis zur ersten, vom Auschwitz-Prozess inspirierten Fernsehdokumentation in der BRD (Esther Schapira). Während der Neue deutsche Film das Thema seltsam umgeht (wie Thomas Elsaesser am Beispiel Alexander Kluges zeigt), instrumentalisieren Filme aus der DDR den Holocaust lange Zeit im Kampf gegen den kapitalistischen Westen (Elke Schieber). Ein Exkurs stellt den gescheiterten Versuch dar, aus Oskar Schindlers Geschichte von der Rettung der 1200 Juden noch zu dessen Lebzeiten einen Hollywoodfilm zu machen (Claudia Keller). In den neunziger Jahren schließlich sind der Holocaust und seine Nachwirkungen ebenso Stoff für Autorenfilme (Hanno Loewy) wie eine bloße Spannungskulisse im Genrekino (Stefan Reinecke). Eine umfassende Filmographie und zahlreiche Szenenfotos ergänzen und illustrieren den Band.