Collate Filmreihe

 



Filmreihe: Zensierte Filme
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Die COLLATE-Projektseite zur Filmzensur
Zensurentscheidungen der Film-Oberprüfstelle

 

Das D I F präsentiert: Zensierte Filme

Am ersten Donnerstag des Monats, von Februar bis Juni 2002
Kino des Deutschen Filmmuseums
Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main

Das Deutsche Filminstitut - DIF begann im Februar mit einer Reihe von Filmen, die in der Weimarer Republik in besonderer Weise der Zensur unterworfen waren. Die Filmauswahl wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes "Collate" (Collaboratory for Annotation, Indexing and Retrieval of Digitized Historical Archive Material, www.collate.de) vorgenommen, das die Zensurpraxis - vor dem Hintergrund der einzigartigen ästhetischen Umbrüche vom Stummfilm zum Tonfilm) und der politischen Krisenphänomene - in verschiedenen Ländern untersucht.

Seit einigen Jahren verfolgt das Deutsche Filminstitut - DIF die Idee eines virtuellen Archivs. Ein Ergebnis hiervon ist die Edition einer umfangreichen Sammlung von Zensurdokumenten, die auf der Homepage des DIFs präsentiert werden (www.deutsches-filminstitut.de/zensur). Einen neuen Ansatz verfolgt das Institut mit dem Forschungsprojekt COLLATE zum selben Thema. Das im September 2000 gestartete Projekt ist die bisher umfassendste Untersuchung zur Filmzensur der 20er und 30er Jahre.

Wir möchten Ihnen mit dieser Reihe Gelegenheit geben, ausgewählten Klassikern der 20er und 30er Jahre zu begegnen und wir möchten darüber hinaus Ihr Interesse für das Thema Filmzensur wecken. Das DIF präsentiert Ihnen nach Möglichkeit die restaurierte Fassung der jeweiligen Filme und zeigt die Stummfilme mit Klavierbegleitung.

Zu den einzelnen Filmen der Reihe findet eine kurze Einführung statt, die einen Überblick über die Zensurpraxis in der Weimarer Republik vermittelt bzw. über die Zensurgeschichte der gezeigten Filme informiert. Laura Bezerra, Jürgen Keiper (DIF)

Die Filme: immer um 20:30Uhr, Kino im Deutschen Filmmuseum


8. Februar 2002
MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK
D 1929, Regie: Phil Jutzi
MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK, einer der wichtigsten "proletarischen" Filme der Weimarer Republik, steht am Anfang der Reihe. Das unter der Regie von Phil Jutzi entstandene Drama wurde damals zu einem großen künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg. Neben Jutzi waren auch Käthe Kollwitz, Hans Baluschek und Otto Nagel an der Konzeption beteiligt.

Angelehnt an die Typen des Zeichners Heinrich Zille versuchte hier eine Gruppe von engagierten Filmleuten, das elende Dasein der Berliner Proletarier "unverfälscht" zu schildern und damit einen anderen Blick auf das Berlin der späten 20er zu werfen. Deshalb verzichtete man auch weitgehend auf Studiokulissen und drehte mit mehreren Laiendarstellern an Originalschauplätzen. MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK wird von Sergej Knobloch auf dem Klavier begleitet.

7. März 2002
ASPHALT
D 1928/1929
Regie: Joe May
ASPHALT... eine kühne Vision der Metropole Berlin: nächtliche Boulevards, Neonlichter, dunkle Schatten, Luxus, Verbrechen und Erotik. Wurde im Februar mit MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK ein Blick auf das proletarische Berlin geworfen, wird jetzt das dekadente Berlin vorgeführt.

ASPHALT war eine Spitzenproduktion der Ufa, die mit enormen Aufwand in den Babelsberger Studios gedreht wurde. In der größten Kulisse Europas ließ der Regisseur Joe May hierfür eine luxuriöse Einkaufsstraße nachbauen, welche das mondäne Berlin der 20er Jahre in Szene setzt. Die Kamera- und Lichtführung belegt eindrucksvoll einen der Höhepunkte der deutschen Stummfilmproduktion: Ausgeklügelte Kamerafahrten verknüpfen Innen mit Außen und nuancierte Beleuchtungen illuminieren die prickelnde, raubkatzenhafte Erotik der Juwelendiebin, gespielt von Betty Amann.

Ein Verkehrspolizist (Gustav Fröhlich) erwischt die schöne Else beim Juwelendiebstahl. Die raffinierte Halbweltdame verführt ihn und entgeht so ihrer Verhaftung. Der brave Schutzmann verfällt ihrer dekadenten Welt und wird zum Mörder aus Eifersucht. Als er von dem eigenen Vater, dem Hauptwachtmeister Holk (Albert Steinrück in seiner letzten Rolle), verhaftet wird, schein alles verloren zu sein. Doch die Liebe findet ihren Weg...

Gezeigt wird die rekonstruierte Fassung, die um wichtige Szenen aus ausländischen Kopien ergänzt wurde. Der Film wird von Sergej Knobloch am Klavier begleitet.

4. April 2002
DIE 3-GROSCHEN-OPER
D 1930/1931
Regie: G.W. Pabst

Eine "parodistische musikalische Komödie aus der Londoner Unterwelt": DIE 3-GROSCHEN-OPER mit ihren unvergesslichen, von Kurt Weill komponierten Liedern, ist der erste Tonfilm aus der Reihe "Zensierte Filme". Basierend auf dem berühmten Bühnenstück von Bertolt Brecht schrieben Leo Lania, Ladislaus Vajda und Béla Balázs das Drehbuch für DIE 3-GROSCHEN-OPER und lieferten damit die Vorlage für zahlreiche und heftige Kontroversen in der Weimarer Republik.

Der Bandit Mackie Messer will Polly, die Tochter des Bettelkönigs Peachum, heiraten. Da der Vater mit der Hochzeit nicht einverstanden ist, lässt er Mackie in das offene Messer der Polizei laufen. Polly erkennt, dass sich mit legalen Tricks viel mehr Geld verdienen lässt und eröffnet mit dem Geld ihres Mannes eine Bank. Sie wird zur Bankdirektorin ernannt und nachdem sich Mackie Messer, der Polizeichef und Peachum geeinigt haben, beginnt eine neue finanzielle Großmacht zu blühen...
Der Film wurde am 10.8.1933 verboten.

2. Mai 2002
DIE KOFFER DES HERRN O.F.
D 1931
Regie: Alexis Granowsky
Das gemütliche Leben der kleinen Ortes Ostend wird durch die Anmeldung eines reichen Gastes gestört, der zunächst einmal nur 13 Koffer vorausgeschickt hat. Sie tragen die geheimnisvollen Initialen "O.F." In der bloßen Erwartung der Millionen von "O.F." erlebt die Idylle von Ostend einen regelrechten Bauboom. Schnell herrscht ökonomische Hochstimmung, während überall sonst auf der Welt Krisen und Panik ausbrechen. Touristen, die Ostend besuchen, erzählt man jetzt, dass die Geschichte von O.F. auf eine mittelalterliche Legende zurückgeht ....
Neben Peter Lorre spielen Alfred Abel, Harald Paulsen, Hedy Kiesler (= Hedy Lamarr) und Ilse Korseck.

Alexis Granowskys hintersinnige Wirtschaftskrisensatire wurde von der NS-Zensur völlig verändert. Nach 1933 wurde der Film sämtlicher politischer Zeitbezüge entkleidet und lief in einer kürzeren Version unter dem Titel "Bauen und Heiraten" ohne Angabe des Regisseurs und der Mitwirkenden - viele von ihnen waren, wie Peter Lorre, Juden, die unter den Bedingungen der antisemitischen NS-Filmpolitik ab April 1933 nicht mehr beim Film arbeiten durften. Auch Erich Kästners Songs wurden aus dem Film eliminiert. Das DIF zeigt die 1976 restaurierte Fassung des Films.

6. Juni 2002
PANZERKREUZER POTEMKIN (dt. Tonfassung!)
UdSSR 1925
Regie: Sergej M. Eisenstein
Mit einem Meilenstein der Filmgeschichte und einem der berühmtesten Zensurfälle der Weimarer Republik wird die Reihe beendet: PANZERKREUZER POTEMKIN. Russland im Jahr 1905. Der russisch-japanische Krieg wirft seine Schatten auch auf die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Die Disziplin in Armee und Marine wird mit härtesten Maßnahmen aufrechterhalten. Doch unter den Matrosen des Panzerkreuzers "Fürst Potemkin" herrscht wegen verdorbener Verpflegung starke Unzufriedenheit und Missstimmung, die plötzlich in einen Aufstand umschlägt. Vergeblich versuchen die Offiziere, die Disziplin wiederherzustellen. Am Ende siegt die Kameradschaft, und die rote Fahne der Revolution flattert im Wind.

Unter reger Anteilnahme der Öffentlichkeit wurde der Film in Deutschland mehrmals geprüft und verboten. Zum Teil verfügte die Zensurbehörde Schnittauflagen, zum Teil wurden Kürzungen und Änderungen von der Prometheus Film-Verleih und Vertrieb GmbH selbst vorgenommen, damit der Film eine Chance hatte, zugelassen zu werden. Deswegen ist die Zensurgeschichte von PANZERKREUZER POTEMKIN auch die Geschichte seiner verschiedenen Fassungen.

Deutsches Filminstitut - DIF, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 96 12 20 0