Kulturfilm: Märchenfilme der Ufa
 
Überblick
Mittellange und abendfüllende Kulturfilme der Ufa
Literatur
Die Märchenfilme der Ufa-Kulturabteilung
 „Der kleine Muck", 1921 gedreht in den üppigen Kulissen von Ernst LubitschsSumurun"  (1920), ist der erste abendfüllende Märchenfilm in Deutschland, der sich an ein jugendliches Publikum wendet. Zuvor haben bereits Paul Wegener mit „Rübezahls Hochzeit" und „Hans Trutz im Schlaraffenland" sowie Paul Leni 1917 mit  „Dornröschen"  Märchenstoffe als Realfilme ins Kino gebracht. Charakeristisch für diese Filme ist jedoch ihre Orientierung an erwachsene Zuschauer.
Der kleine Muck" wird produziert von jungen Ufa-Mitarbeitern, die gleichzeitig in der Spielfilm-Abteilung als Assistenten tätig sind. Erich Waschneck, Standfotograf und Assistent von Fritz Arno Wagner („Nosferatu", 1921) steht hinter der Kamera, das Drehbuch schreibt Johannes Meyer. „Der kleine Muck" wird ein großer Erfolg, auch deshalb, weil die Ufa ihn als Familienfilm im regulären Abendprogramm herausbringt. 
Einige Pressestimmen zur Uraufführung:
„Selten hat wohl ein Programm ein dankbareres Publikum gefunden als das dieswöchentliche des "Tauentzien-Palastes". Der dort laufende Märchenfilm ist auch für Jugendliche freigegeben, und das junge Völkchen machte denn auch von dieser seltenen Gelegenheit, einmal eine richtige Kinovorstellung zu besuchen, ausgiebig Gebrauch. Selbst die an sich trefflichen Beiprogrammfilme 'Sturmwind an der Silberküste' und 'Aus dem Leben eines Hirschkäfers' und ein Sportfilm, worauf das blasierte 'zünftige' Kinopublikum nur mit Gähnen zu reagieren pflegt,  werden hier begeistert beklatscht [...]" 
Vossische Zeitung, 13.2.1921
„[...] Von der Wirkung und dem Erfolg dieses Films zeugen am besten die spontanen Beifallskundgebungen eines Publikums, das gestern zur größeren Hälfte aus Kindern bestand. Als Willy Allen, der überraschend intelligente Negerjunge (sic !), der begabte Träger der Titelrolle, persönlich mit seinem Riesenturban erschien, stieg die frohe Stimmung zur Begeisterung." 
Filmkurier, 12.2.1921 
Waschneck und Meyer verfassen weitere Märchenfilme, erproben die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung phantastischer Welten. In rascher Folge entstehen die Einakter „Tischlein deck  Dich, Eselein streck  Dich, Knüppel aus dem Sack" (1921, R.: Wilhelm Prager), „Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Swinegel" (1921, R.: Harry Jäger), „Das tapfere Schneiderlein" (1922) und „Reinecke Fuchs" (1924, beide mit Trickzeichnungen von Harry Jäger). Mitte der zwanziger Jahre setzt Lotte Reiniger mit dem ersten abendfüllenden Scherenschnittfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (1926) die Tradition der Märchenfilme mit orientalischen Stoffen fort. 
 

Zu folgenden Märchen- und Fabelstoffen liegen im DIF Entwürfe und Drehbücher von Johannes Meyer vor:

Allerleihrauh. 
Märchen der Gebrüder Grimm, für den Film gemeinsam bearbeitet von Johannes Meyer und Erich Waschneck.
Exposé und Treatment, vermutl. 1921 (handschr. Manuskript)

Die Schneekönigin. Ein Wintermärchen. 
Treatment, datiert 16.1.1921 (Typoskript)

Das Märchen von der Marmordiva.
Exposé, undatiert (Typoskript)

Die Eisprinzessin.
Exposé, undatiert (Manuskript)

Reinecke Fuchs.
Treatment, undatiert (ca. 1924, Manuskript)

  
 DIF, 3.5.2000